Berlin wird in der Agentic-Coding-Szene als neuer Knotenpunkt sichtbar. Beim Claude Code Developer Community Summit am Merantix AI Campus stand nicht mehr das klassische „KI hilft beim Tippen“ im Zentrum, sondern ein Rollenwechsel in der Softwareentwicklung: Menschen definieren Ziele, Leitplanken und Prioritäten, während mehrere KI-Agenten Aufgaben weitgehend eigenständig abarbeiten. In Erfahrungsberichten tauchten Quoten bis zu 90 Prozent KI-generierten Codes als realer Projektwert und teils sogar als Zielmarke für kurze Iterationszyklen auf. Entscheidend bleibt dabei nicht die Autonomie an sich, sondern die Verlässlichkeit durch menschliches Management: Koordination, Review, Tests, Systemdesign und Risikoabsicherung gewinnen gegenüber manueller Implementierung an Gewicht.
Technisch bündelte sich die Debatte um Claude Code, ein terminalbasiertes Agentic-Coding-Tool von Anthropic. Diskutiert und demonstriert wurden Workflows, in denen Agenten unter Aufsicht Tests ausführen, Git-Abläufe übernehmen, Änderungen über mehrere Dateien koordinieren und Deployments in Staging-Umgebungen anstoßen. Für längere, stabile Sessions kristallisierten sich drei Erfolgsfaktoren heraus: sauberes Kontext-Management, parallele Orchestrierung mehrerer Agenten-Instanzen und defensive Prompts plus Sicherheitsregeln, um riskante Aktionen und unbeabsichtigte Schäden zu vermeiden.
Der Berliner Termin wurde zudem als Auftakt für die CASE Conference (Conference on Agentic Software Engineering) verstanden, die für Mittwoch, den 14. Januar 2026, ebenfalls in Berlin angekündigt war. Im Hintergrund steht der wirtschaftliche Druck rund um agentische Entwicklungswerkzeuge: Anfang Januar 2026 berichteten Medien über eine mögliche neue Anthropic-Finanzierungsrunde mit 10 Milliarden US-Dollar und einer Zielbewertung von 350 Milliarden US-Dollar. Parallel wächst für europäische Teams die Bedeutung des Claude-Ökosystems durch Enterprise-Einsatz, CLI-Fokus und Integrationen über das Model Context Protocol (MCP), das Tool- und Datenanbindungen standardisieren soll. Als Leistungstreiber wurde zudem Claude Sonnet 4.5 (Ende 2025) als spürbarer Sprung für Coding-Logik und Zuverlässigkeit eingeordnet. Insgesamt verdichtet sich die These: 2026 markiert weniger das Zeitalter „besseres Autocomplete“, sondern die Operationalisierung von Agenten als teilautonome Ingenieure, mit Programmiersprachen stärker als Implementierungsdetail und Spezifikation, Produktdenken und Orchestrierung als neue Kernkompetenzen.
Quellen:
Anthropic plans new fundraise at $350 billion valuation, sources say (Reuters) https://www.reuters.com/technology/anthropic-plans-raise-10-billion-350-billion-valuation-wsj-reports-2026-01-07/
Anthropic Seeks $10 Billion Raised On $350 Billion Valuation, Report Says (Forbes) https://www.forbes.com/sites/tylerroush/2026/01/07/anthropic-seeks-10-billion-raised-on-350-billion-valuation-report-says/
Claude Code: Deep coding at terminal velocity (Anthropic) https://www.anthropic.com/claude-code/
Claude Code overview (Anthropic Docs) https://docs.anthropic.com/en/docs/claude-code/overview
Quickstart (Claude Code) (Anthropic Docs) https://docs.anthropic.com/en/docs/claude-code/quickstart
Model Context Protocol (MCP) (Anthropic Docs) https://docs.anthropic.com/en/docs/mcp
MCP connector (Anthropic Docs) https://docs.anthropic.com/en/docs/agents-and-tools/mcp-connector
Devs don't trust AI code - but many say they still don't check it anyways (TechRadar, citing Sonar survey) https://www.techradar.com/pro/devs-dont-trust-ai-code-but-many-say-they-still-dont-check-it-anyways
Nearly half of software developers don't check AI-generated code (ITPro, citing Sonar survey) https://www.itpro.com/software/development/software-developers-not-checking-ai-generated-code-verification-debt