Sechs KI-Trends für 2026 verdichten sich zu einer Verschiebung weg vom reinen Modellrennen hin zu Umsetzung, Kontext und operativer Verlässlichkeit. Erstens werden Modelle zunehmend zur Commodity: Leistungsunterschiede zwischen großen Modellfamilien schrumpfen, während Hardware effizienter wird und Inferenzkosten stark fallen. Der Wettbewerb verlagert sich damit auf Integration in bestehende Tool-Landschaften, Distribution, Vertrauen, Governance und Produktdesign; Benchmarks allein sind für Einkaufs- und Architekturentscheidungen weniger entscheidend als Workflow-Fit, Datenzugriff, Qualitätssicherung und Compliance.
Zweitens wird 2026 eher das Jahr standardisierter KI-Workflows als das der vollautonomen Agenten. Viele Unternehmen testen agentische Systeme, skalieren diese aber in einzelnen Business-Funktionen bislang selten; der Markt priorisiert derzeit robuste Prozess-Einbettung und kontrollierbare Ergebnisse. Praktisch bedeutet das: erfolgreiche Prompts in wiederholbare Abläufe mit klaren Schritten, Rollen, Ausgabeformaten und Prüfregeln überführen und kritische Entscheidungen beim Menschen belassen.
Drittens schließt sich die technische Kluft: KI senkt die Einstiegshürden für Skripting, Automatisierung und Datenarbeit. Der Vorteil wandert von Tool-Bedienkompetenz zu Domänenwissen, Umsetzungsgeschwindigkeit und sauberer Dokumentation. Viertens verschiebt sich die Hebelwirkung vom Prompting zum Kontext. Da Modelle auch vage Anweisungen besser verarbeiten, wird die „Faktenlücke“ zur Hauptbremse: interne Dokumente, Ziele, Richtlinien und Kommunikationsdaten müssen auffindbar, verknüpft und governancetauglich bereitgestellt werden, sonst bleibt KI unzuverlässig oder führt zu Lock-in-Risiken.
Fünftens bleibt Werbung in Chatbots ein offenes Feld: Hinweise auf mögliche Werbe- oder „ad-ähnliche“ Funktionen stehen offiziellen Dementis gegenüber; entscheidend für Akzeptanz ist klare Kennzeichnung und die Trennung zwischen neutralen Antworten und gesponserten Vorschlägen. Sechstens wird Software physisch: KI treibt Robotik und autonome Mobilität voran. Waymo zeigte auf der CES 2026 das neue Robotaxi-Fahrzeug „Ojai“ als Schritt Richtung Skalierung und Robustheit, parallel nehmen Sicherheits- und Regulierungsdebatten zu; am 9. Januar 2026 gab es in San Francisco Proteste von Fahrdienstfahrern im Umfeld neuer Regeln. In der Industrie skaliert Robotik vor allem über spezialisierte Systeme, etwa in Lagern, wo Amazon die Marke von über einer Million eingesetzten Robotern meldet; kurzfristiger Impact entsteht durch Wartung, Haftung, Sicherheit und Prozessdesign, nicht durch universelle Haushalts-Humanoide.
Quellen:
LLM inference prices have fallen rapidly but unequally across tasks — https://epoch.ai/data-insights/llm-inference-price-trends
The state of AI in 2025: Agents, innovation, and transformation (McKinsey Global Survey) — https://www.mckinsey.com/capabilities/quantumblack/our-insights/the-state-of-ai
Projects in ChatGPT (OpenAI Help Center) — https://help.openai.com/en/articles/10169521-projects-in-chatgpt
12 Days of OpenAI (Day 7: Projects in ChatGPT) — https://openai.com/12-days/
ChatGPT is Going to Start Showing You Ads (MacRumors) — https://www.macrumors.com/2025/12/01/chatgpt-ads-free-users/
OpenAI says it's disabled ad-like app promotions in ChatGPT (The Verge) — https://www.theverge.com/news/839882/openai-chatgpt-ads-app-promo-messages-turned-off
The Waymo Ojai Will Soon Offer Autonomous Rides Around the U.S. (Car and Driver) — https://www.caranddriver.com/news/a69938250/waymo-ojai-autonomous-robotaxi-details/
Lyft and Uber drivers protest Waymo robotaxis as California considers further regulations (AP News) — https://apnews.com/article/ae899573f4b12aa1844656fa5f7365ec
Amazon’s Millionth Warehouse Robot Is Here And It’s Getting Smarter (Forbes) — https://www.forbes.com/sites/ronschmelzer/2025/07/07/amazons-millionth-warehouse-robot-is-here-and-its-getting-smarter/