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Liebe Hörerinnen und Hörer!

Hier der geistliche Adventskalender:

1. Dezember:

Zum Dämon der acedia (= Missmut, Überdruss, geistliche Lustlosigkeit)

Der Dämon der acedia, der auch Mittagsdämon genannt wird, ist der beschwerlichste von allen. Er greift den Mönch zur 4. Stunde an und belagert die Seele bis zur 8. Stunde. Zuerst bewirkt er, dass die Sonne sich nur schwer oder gar nicht zu bewegen, und dass der Tag 50 Stunden zu haben scheint. Dann treibt er einen an, ständig zum Fenster hin zu schauen und aus der Zelle zu springen, um die Sonne zu beobachten, ob sie noch weit von der 9. Stunde ist, und herumzuschauen, ob nicht ein Bruder käme. Weiter impft sie einem eine Aversion gegen den Ort ein, an dem man lebt und gegen die Lebensweise selbst, gegen die Hand­arbeit, und die Idee, dass die Liebe bei den Brüdern verschwunden ist und dass es niemand gibt, der einen tröstet. Und wenn es jemand gibt, der ihn in diesen Tagen gekränkt hat, so benutzt der Dämon auch diesen, um die Abneigung zu steigern. Er lässt sich auch nach anderen Orten sehnen, wo er leicht finden könnte, was er nötig hat, und wo er eine weniger beschwerliche und für ihn vorteilhaftere Lebensweise antreffen könnte. Und er fügt hinzu, dass es nicht an einen Ort gebunden ist, dem Herrn zu gefallen. Überall, sagt er, kann die Gottheit angebetet werden. Er fügt dem die Erinnerung an seine Verwandten und an seine frühere Lebensweise hinzu, er malt ihm aus, wie lang das Leben dauert, und hält ihm die Beschwerden der Askese vor Augen. Er setzt, wie man sagt, seine ganze Belagerungs­maschinerie in Bewegung, damit der Mönch seine Zelle verlässtund aus der Rennbahn flüchtet. Diesem Dämon folgt unmittelbar kein anderer: ein friedvoller Zustand und unaus­sprechliche Freude überkommen die Seele nach dem Kampf.    Evagrius Pontikus: Praktikos 12

Die Seele ist krank und leidet, von der Bitternis der acedia überflutet. In einem solchen Übermaß von Leid verlassen sie alle ihre Kräfte. Ihr Widerstandvermögen ist drauf und dran, vor einem so mächtigen Dämon das Feld zu räumen. Sie hat den Kopf verloren und benimmt sich wie ein kleines Kind, das haltlos weint und ein Wehgeschrei anstimmt, als gäbe es keinerlei Hoffnung auf Trost mehr.

 Das Leben des heiligen Antonius, beschrieben vom hl. Athanasius VI, 38

Die antirrhetische Methode:

Zum Laster der acedia:

Gegen die Seele, die in der acedia hoffnungslose Gedanken in sich aufnimmt, dass doch das mönchische Leben so mühselig sei und nur schwer aufzuhalten: Verlasse dich auf den Herrn, und tue, was recht ist. (Ps 37,3) Evagrius Pontikus: Antirrhetikos VI, 14

Gegen den Gedanken, der uns zur Zeit der acedia anstachelt, zu den Brüdern zu gehen, um angeblich von diesen getröstet zu werden: Es ist keiner, der meine Seele tröstet. Denke ich an Gott, dann muss ich stöhnen. (Ps 77,3f) Evagrius Pontikus: Antirrhetikos VI, 24

Gegen den Gedanken der acedia, der ein anderes Kellion als Aufenthaltsort zu finden sucht, angeblich weil der erste ganz hassenswert und voller Feuchtigkeit sei, aus der alle Krankheiten kämen: Dies ist meine Ruhstatt für ewig, hier will ich wohnen, ich habe es gewünscht. (Ps 132, 14)  Evagrius Pontikus: Antirrhetikos VI, 26

Gegen die Seele, die wegen einer Krankheit des Körpers Gedanken der acedia in sich einlässt: Tragen muss ich den Zorn des Herrn, denn wider ihn hab ich gefehlt, bis er meinen Streit führt und mir Recht verschafft. Er führt mich hinaus ans Licht, seinen gerechten Sinn darf ich schauen (Mi 7,9) Evagrius Pontikus: Antirrhetikos VI, 36

Viel Freude damit!

Eure,

Barbara