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Liebe Hörerinnen und Hörer!

Zum Valentinstag bringe ich euch wieder Gedichte von Rainer Maria Rilke aus seinem Zyklus "Traumgekrönt" - "Lieben"- 8 - 14.

VIII.

Die Liese wird heute just sechzehn Jahr.

Sie findet im Klee einen Vierling...

Fern drängt sich wie eine Bubenschar:

die Löwenzähne mit blondem Haar

betreut vom steinigen Schierling.

Dort hockt hinterm Schierling der Riesenspan,

der strotzige, lose Geselle.

Jetzt sieht er verstohlen die Liese nahn

und lacht und wälzt durch den Wiesenplan

des Windes wallende Welle...

IX.

Ich träume tief im Weingerank

mit meiner blonden Kleinen;

es bebt ihr Händchen, elfenschlank,

im heißen Zwang der meinen.

So wie ein gelbes Eichhorn huscht

das Licht hin im Reflexe,

und violetter Schatten tuscht

ins weiße Kleid ihr Kleckse.

In unsrer Brust liegt glückverschneit

goldsonniges Verstummen.

Da kommt in seinem Sammetkleid

ein Hummel Segen summen...

X.

Es ist ein Weltmeer voller Lichte,

das der Geliebten Aug umschließt,

wenn von der Flut der Traumgesichte

die keusche Seele überfließt.

Dann beb ich vor der Wucht des Schimmers

so wie ein Kind, das stockt im Lauf,

geht vor der Pracht des Christbaumzimmers

die Flügeltüre lautlos auf.

XI.

Ich war noch ein Knabe. Ich weiß, es hieß:

Heut kommt Base Olga zu Gaste.

Dann sah ich dich nahm auf dem schimmernden Kies,

ins Kleidchen gepreßt, ins verblaßte.

Bei Tisch saß man später nach Ordnung und Rang

und frischte sich mäßig die Kehle;

und wie mein Glas an das deine klang,

da ging mir ein Riß durch die Seele.

Ich sah dir erstaunt ins Gesicht und vergaß

mich dem Plaudern der andern zu einen,

denn tief im trockenen Halse saß

mir würgend ein wimmerndes Weinen.

Wir gingen im Parke. - Du sprachst vom Glück

und küßtest die Lippen mir lange,

und ich gab dir fiebernde Küsse zurück

auf die Stirne, den Mund und die Wange.

Und da machtest du leise die Augen zu,

die Wonne blind zu ergründen...

Und mir ahnte im Herzen: da wärest du

am liebsten gestorben in Sünden...

XII.

Die Nacht im Silberfunkenkleid

streut Träume eine Handvoll,

die füllen mir mit Trunkenheit

die tiefe Seele randvoll.

Wie Kinder eine Weihnacht sehn

voll Glanz und goldnen Nüssen, - 

seh ich dich durch die Mainacht gehn

und alle Blumen küssen.

XIII.

Schon starb der Tag. Der Wald war zauberhaft,

und unter Farren bluteten Zykladen,

die hohen Tannen glühten, Schaft bei Schaft,

es war ein Wind, - und schwere Düfte kamen.

Du warst von unserm weiten Weg erschlafft,

ich sagte leise deinen süßen Namen:

Da bohrte sich mit wonnewilder Kraft

aus deines Herzens weißem Liliensamen

die Feuerlilie der Leidenschaft.

Rot war der Abend - und dein Mund so rot,

wie meine Lippen sehnsuchtheiß ihn fanden,

und jene Flamme, die uns jäh durchloht,

sie leckte an den neidischen Gewanden...

Der Wald war stille, und der Tag war tot.

Uns aber war der Heiland auferstanden,

und mit dem Tage starben Neid und Not.

Der Mond kam groß an unsern Hügeln landen,

und leise stieg das Glück aus weißem Boot.

XIV.

Es leuchteten im Garten die Springen,

von einem Ave war der Abend voll, - 

da war es, daß wir voneinander gingen

in Gram und Groll.

Die Sonne war in heißen Fieberträumen

ges