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Buchvorstellung "Extrem Unbrauchbar"

Nach den Protesten gegen den G20- Gipfel in Hamburg gab der damalige  deutsche Außenminister Sigmar Gabriel bekannt: “Alle angeblichen  politischen Motive für diese Orgie an Brutalität sind verlogen und  sollen nur das Deckmäntelchen dafür sein, worum es den Tätern aus allen  Teilen Europas ging: um Gewalt an sich. […] Die Täter unterscheiden sich  überhaupt nicht von Neonazis und deren Brandanschlägen. Mit angeblich  ‘linken Motiven’ hat das alles nichts zu tun.”

Gabriel verschweigt hier einerseits natürlich die  Eskalationsstrategie der Polizei, die für eben jene Aufnahmen gesorgt  hat, derer man sich im Nachhinein so empört, andererseits ist der  Vergleich auffällig: Unterscheiden sich die ‚Täter‘ durch überhaupt  nichts von Neonazis? Einige angezündete Autos oder Papierkörbe werden  hier mit angezündeten Geflüchtetenunterkünften, der Mordserie des NSU  und der gewaltsamen Verfolgung von allen, die in den Augen der Nazis als  nicht-deutsch gelten, auf eine Stufe gestellt.

Die Verwirrung Gabriels ist keine zufällige, sondern folgt dem  Paradigma der Extremismustheorie, einem bis zur Unkenntlichkeit  entstellenden Verständnis von Gesellschaft, nach dem die ‚gesunde‘ Mitte  von ihren Rändern – Rechts- und Linksextremismus wie Islamismus –  bedroht wird. Dieses Hufeisenmodell besagt, dass in der (vermeintlichen)  Ablehnung der demokratischen Grundordnung sich die Extreme näher sind  als sie es wahrhaben wollen, und ignoriert darüber den ständigen  Schulterschluss konservativ-bürgerlicher mit völkisch Rechten Kräften.  Die Extremismustheorie ist extrem Unbrauchbar, sie verschleiert mehr als  sie erhält.

Mit der Buchvorstellung möchten wir einen Einblick in die Kritik der  Extremismustheorie geben und insbesondere auf die Extremisierung von  Geschlechter- und Sexualitätsentwürfen jenseits gesellschaftlicher  Normalitätsvorstellungen eingehen.