Uns hat Christus in kurzen, aber treffenden Worten gelehrt, was recht, geziemend und nützlich ist, kurz, was nur irgendwie zum Begriff der Tugend gehört. Das eine Mal hat er gesagt: „In zwei Geboten sind Gesetz und Propheten enthalten, in der Liebe zu Gott und in der Liebe zum Nächsten“; und ein anderes Mal sagte er: „Was immer ihr wünschet, daß euch die Menschen tun, das tut auch ihr ihnen. Denn darin liegen das Gesetz und die Propheten beschlossen“. Ja, das kann auch ein Bauer, ein Knecht oder eine Witwe, selbst ein Kind und sogar ein offenbar ganz einfältiger Mensch mit Leichtigkeit erfassen und verstehen. So ist es ja immer mit der Wahrheit, und auch die Tatsachen bestätigen dies. Denn alle erfuhren da, was sie zu tun hätten; und sie erfuhren es nicht bloß, sondern bemühten sich auch, darnach zu leben; und das nicht bloß in den Städten und in der großen Öffentlichkeit, nein, selbst auf den einsamen Höhen der Berge. Denn auch dort kannst du gar viele Lebensweisheit finden, Engelchöre in Menschengestaltleuchten und das Leben im Himmel auf Erden verwirklicht sehen. Ja diese Fischer haben uns eine Lebensnorm hinterlassen und nicht wie die Philosophen eigens befohlen, daß man sie schon von Jugend an beobachten müsse, auch nicht für den, der nach Tugend streben wollte, ein bestimmtes Alter vorgeschrieben, sondern sich unterschiedslos an jedes Alter gewandt.