In der aktuellen Podcastfolge tauchen Katrin und Marcus tief in das Konzept des „role lock“ ein – ein oft unbekanntes, aber sehr wirksames Phänomen aus der Gruppendynamik. Ausgehend von einem konkreten Coachingfall, in dem eine Führungskraft einen „schwierigen“ Mitarbeiter schildert, entwickeln die beiden eine differenzierte Perspektive: Was zunächst wie individuelles Fehlverhalten erscheint, entpuppt sich häufig als Ausdruck eines unausgesprochenen Themas im Team. Der Begriff „role lock“ beschreibt eine psychologische Rolle, in der eine Person unbewusst feststeckt, weil sie auf etwas verweist, das die Gruppe vermeidet – etwa Konflikte, mangelnde Klarheit oder fehlende Anerkennung. Katrin erläutert, wie wichtig es ist, diese Dynamiken zu erkennen, bevor man vorschnell Konsequenzen zieht. Im weiteren Verlauf bringen beide Hosts persönliche Erfahrungen ein – sei es im Führungskontext oder als Teil von Teams – und zeigen, wie sich Widerstand auch als wertvoller Hinweis lesen lässt. Ein weiterer Fokus liegt auf Gründerteams, bei denen unausgesprochene Rollenverteilungen und die Angst vor Hierarchien häufig zu verdeckten Spannungen führen. Katrin schildert Ihre Forschungen dazu, in der sie einen weiteren gründerspezifischen „role lock“ entdeckte, repräsentiert durch die „Quelle“ des Start ups.
Kernaussagen
“Role lock” beschreibt eine psychologische Rolle, in der eine Person feststeckt, weil sie unbewusst auf ein vom Team vermiedenes Thema hinweist.
„Schwierige“ Personen erfüllen oft eine Funktion im System – sie machen auf ungelöste Spannungen oder blinde Flecken in der Teamkultur aufmerksam.
Nicht die Person ist das Problem, sondern das, was sie sichtbar macht – oft wird ein individuelles Verhalten zur Projektionsfläche für kollektive Vermeidung.
Systemisches Denken hilft, das Verhalten im Kontext zu verstehen – ist es ein individuelles Thema, ein Beziehungsthema oder ein kulturelles Muster?
In einem gesundes Team rotieren psychologische Rollen – festgefahrene Rollen (z. B. der ewige Kritiker) weisen auf fehlende Reflexion oder Vermeidung hin.
Führungskräfte sollten sich fragen: Wogegen rebelliert die Person? Was vermeiden wir gerade als Team?
Gründerteams haben eine besondere Dynamik: Wenn die „Quelle“ (die Ursprungsenergie der Idee) nicht anerkannt wird, kann es zu verdecktem Widerstand kommen.
Vermeidung von Rollenklarheit oder Verantwortungsübernahme führt zu Stillstand – sowohl bei Führungskräften als auch bei Gründern.
Der erste Schritt ist, über die eigene Teamdynamik zu sprechen – nicht nur über Inhalte, sondern über Beziehung, Rollen und Zusammenarbeit.
Kapitel
01:28 Das Konzept des “role lock”
03:48 Fallstudie: Schwierige Mitarbeiter und Gruppendynamik
10:01 Psychologische Rollen im Team
13:09 Die Funktion schwieriger Personen im Team
21:18 Ursachenanalyse und systemische Betrachtung
26:13 Widerstand und Reflexion in Teams
32:42 Die Herausforderung bei Gründerteams
36:18 Die Quelle der Ideen und ihre Anerkennung