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„Wir haben kein Gesundheitssystem, sondern ein Krankheitssystem“, betont Prof. Dr. Froböse. Er erwartet für die kommenden Jahre eine deutliche Verschärfung der aktuellen Gesundheitslage. Es sei davon auszugehen, dass das Gesundheitssystem im Jahr 2030 die Kosten für die Sozialausgaben der Rentenversicherung übersteigen werde. Um dem entgegenzuwirken, sieht der Hochschulprofessor besonderes Potential in der Förderung gesundheitlicher Prävention. Aktuell sei das System fachlich und finanziell vor allem auf den Bereich der Diagnostik ausgerichtet. „Wir haben keine institutionelle Verankerung in unserer Gesellschaft, was Prävention betrifft“, so Froböse, der Gesundheit als interdisziplinäre Aufgabe betrachtet. Beispielsweise sei die Vernetzung verschiedener Organisationen in der Kommune wichtig, um eine Angebotsstruktur zu schaffen, die nach individuellem Bedarf bedient werden könne. Dabei sei es wichtig, die Bevölkerung in ihren gesundheitlichen Kompetenzen zu stärken, hin zu mehr Verantwortung für die eigene Gesundheit und Lebensqualität.

Weiter bringt Prof. Dr. Froböse Vorschläge ein, diesen Herausforderungen zu begegnen und spricht u. a. über die Notwendigkeit von Präventionsforschung und die Rolle der Wissenschaftskommunikation. Er geht auf Lebensstilerkrankungen ein und rät dazu, schon im Kindesalter präventiv vorzubeugen. Auch sei im Bereich der Pflege Potential vorhanden, das zum Beispiel in der Förderung der Ressourcen der Senioren bestünde, wenn der Fokus vermehrt auf der Rehabilitation läge. Nicht zuletzt sieht er Maßnahmen für das Thema Prävention auf ministerieller Ebene und spricht sich dafür aus, dass Sektorendenken im Gesundheitswesen aufzubrechen. „Wenn wir unsere Gesellschaft für die Zukunft planen – und nur eine leistungsfähige aktive Gesellschaft ist eine gesunde Gesellschaft – brauchen wir ein neues Denken“, so Froböse.