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„Festhalten an alten Strukturen, die es immer schon gab – ich glaube, das ist nicht mehr zeitgemäß. Wir werden alle digitaler, das Leben wird schneller, der Informationsfluss nimmt zu. Dem müssen wir uns stellen“, so Dr. Becker. Die Delegation von Praxisaufgaben sei das, was wirklich entlaste, allen voran die medizinischen Fachanstellten mit Weiterbildung zur VERAH (Versorgungsassistenz in der Hausarztpraxis). „Die Einzelpraxis ist ein Konstrukt der Vergangenheit, das ist nicht die Zukunft. Die Zukunft ist, dass man miteinander arbeitet. Ich wäre nie in eine Einzelpraxis gegangen“, betont der Arzt. Die Möglichkeit des Quereinstiegs für Fachärzt*innen in den Beruf der Allgemeinmedizin sorgt dafür, dass verschiedene medizinische Spezialgebiete in einer Gemeinschaftspraxis zusammenlaufen. Davon profitieren sowohl die Ärzt*innen als auch die Patient*innen.

Im Hinblick auf den demografischen Wandel und die Zunahme von Co- und Multimorbidität ergänzt Dr. Becker: „Wenn ich das System weiterführe wie jetzt, dann gibt es nur eine Lösung: Dann brauche ich mehr Ärzte. Die kriege ich aber nicht, zumindest nicht schnell. Das heißt, ich muss gucken, dass ich die Arbeit, die da ist und die mehr werden wird, effizienter abarbeiten kann“. Neben Weiterbildungsmöglichkeiten und einer breiteren Aufstellung des Praxisteams sieht der Arzt gerade bei Pflegediensten, die regelmäßig bei Patient*innen vor Ort sind, Potenzial zur Entlastung. Aktuell sei der Pflegesektor, der viele medizinische Daten erhebt, nicht gut mit den niedergelassenen Ärzt*innen verknüpft. Darüber hinaus sprechen Dr. Olaf Gaus und Dr. Erik Becker über den ‚Masterplan‘, den die Landesregierung Rheinland-Pfalz und Akteure des Gesundheitswesens zur flächendeckenden ambulanten ärztlichen Versorgung aufgelegt haben, über die Krankenhausreform sowie die Relevanz der beiden Krankenhäuser in Kirchen und Hachenburg.