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An diesem Tag, mit 25, hörte ich Jackie Levens Album “Control” zum ersten Mal in meinem Leben und ich bemerkte ebenfalls zum ersten Mal in meinem Leben, dass ich alterte. Altern – nicht wie das mit den offenen Beinen meiner Oma sondern wie zu-alt-für-etwas-sein. Es fühlte sich im ersten Moment seltsamerweise wie eine Fähigkeit an, die mir plötzlich zugestanden wurde. So als könnte ich – nach einer Augenoperation, die mir die Krankenkasse voll bezahlt hatte – plötzlich scharf sehen.

Ich mochte Jackie Leven schon lange, denn sein intimes Live-Album “For Peace Comes Dropping Slowly” hatte mich mit Jackies wunderbar gefährlichen Geschichten berührt. Doch “Control” war ein Schnitt, ein Angriff der Zeit auf mein Bewusstsein, denn dieses Album war ein sanftes Streicheln und Jackies erstes Album und er hatte es aufgenommen als er 21 war. Ich hatte mir oft vorgestellt und gewünscht auch Sänger zu werden, freilich ohne viel Kraft in die Erfüllung zu legen. Als ich “Control” hörte, war ich 25 und mir war plötzlich klar, dass dieser Zug für mich abgefahren war. Ich würde nie ein Musiker werden wie Jackie Leven – ich war zu alt um Musiker zu werden. Zum ersten Mal im Leben fühlte ich mich für etwas zu alt.

Nun, Bert Jerred hat mir die Augen noch ein bisschen mehr geöffnet. Weil mich sein Song “Genesis” verdammt an einige der Lieder von Jackie Levens Album “Control” erinnert und weil er mir auch das Bewusstsein gibt, dass man auch als erwachsener Mann anfangen kann wunderbare Musik zu machen.

Wie alle Musiker, die ich hier im freemusicpodcast vorstelle, fragte ich auch Bert, ob er mir ein paar Informationen über sich geben kann.

“Warum veröffentlichst Du Deine Musik überhaupt unter freien Lizenzen?”

Bert: Als ich damit angefangen habe, Musik im Internet zu veröffentlichen, habe ich – wie so viele Leute – nach kostenlosen Möglichkeiten gesucht meine Musik zu präsentieren. Damals hat meine Musik bei opsound einige Aufmerksamkeit erregt. Viele Menschen haben das was Sie dort gehört haben in ihre eigenen Internetseiten integriert und weil viele opsound-Nutzer auch last.fm “Scrobbler” waren, lief es auch dort ziemlich häufig. Ich habe dort zum ersten Mal erlebt, wie sich dort völlig fremde Leute mit den Liedern beschäftigen, die ich bei mir zu Hause aufgenommen habe. Das war seltsam. Und ich fand es toll. Über diese Seiten habe ich zum ersten Mal etwas von den Creative Commons – Lizenzen gehört.

Dann hat mir jemand von Jamendo gemailt und mich eingeladen, meine Musik auf ihre Seite zu stellen. Also habe ich mich ein bisschen belesen – über Creative Commons im Allgemeinen und Jamendo im Speziellen – und das große Experiment gestartet: Ich lud jeden meiner Songs und Tracks, der nicht völlig peinlich war, hoch. Angefangen im Juni 2002, habe ich mittlerweile gut über 500 Lieder geschrieben und auch viele von ihnen aufgenommen – alle mit mehr oder weniger guter Qualität. In den ersten Jahren habe ich alles mit einem 4 Spur-Kassettengerät und einem billigen Mikro aufgenommen – mit gelegentlichen Ausflügen in die digitale Welt. Selbst jetzt habe ich nur auf einen Fostex MR-8 aufgerüstet. Oh ja! All die neuen Lieder – inklusive “Genesis” – haben einmal auf einer 128 MB Compact Flash – Karte gelebt. Ich nehme immer noch alles in meinem Wohnzimmer auf.

“Was hast Du bisher so mit Deiner frei lizenzierten Musik verdient?”

Bert: Ich veröffentliche meine Musik in diesem Rahmen weil die völlig fremden Leute, die diese Gemeinschaft bilden, das sehr lohnenswert machen. Ich meine damit nicht nur Spenden oder Einnahmebeteiligung. Tatsächlich halte ich meine bescheidenen Einnahmen für einen netten – fast komischen – Nebeneffekt. Viel besser ist es, dass die Leute, die ich so kennen gelernt habe, sehr freundlich und ermutigend sind. Ich schreibe und nehme Lieder zu meinem Vergnügen auf und ich liebe die Idee, dass jemand durch meine Schöpfungen Genuss erfährt. Es ist ein fantastisches Kompliment zu sehen, dass Andere meine Lieder für herunterladbar und teilenswert halten.


“Was hast Du für musikalische Pläne und wirst Du auch weiterhin unter freien Lizenzen veröffentlichen?”

Bert: Über die unterschiedlichen Typen von Lizenzen muss ich noch eine Menge mehr lernen. Aber während dessen und während meine Lieder von mehr und mehr Leuten gehört werden, überraschen mich die Auswirkungen von Internetseiten wie opsound, jamendo und andere und der gute Wille aller Beteiligter. Sicher habe ich nichts dagegen mein Einkommen durch Musik aufzubessern, wenn sich die Gelegenheit ergeben sollte. Aber ich respektiere das Creative Commons System und die Gemeinschaft und deswegen werde ich in diesem Rahmen weiterarbeiten. Schau Dir z.B. mal meinen neuen Blog bei Jamendo an: http://bertjerred.jamendo.net/. Dort werde ich auch ausführlich über meine neuen Lieder berichten.

“Was machst Du und wovon lebst Du, wenn nicht von Deiner Musik?”

Bert: Ich bin Ehemann und Vater und lehre Englisch in einem College, hier in Oswego. Ich bereue gerade, dass ich nicht mehr so besonders viel aus den drei Semestern Deutsch weiß, die ich vor langer Zeit hatte, um etwas Schlaues in Deiner Muttersprache zu sagen. Vielleicht hole ich bald mal mein altes Wörterbuch heraus. :)

Sincerely,

Bert Jerred

Thanks a lot, Bert!

Bert Jerred – Genesis

sj2tv

On that day I was 25 and I listened to Jackie Leven’s album “Control” for the first time in my life and I realized – also for the first time in my life – that I was aging. Not aging as in painful rheumatism, but as in becoming too old for certain things. At the first moment it felt as if I’d been awarded with a new ability. As if – after having had an eye surgery fully covered by the health insurance – I suddenly could see clearly again.

I liked Jackie Leven for a long time then. His live album “For Peace Comes Dropping Slowly” where he only sang and played guitar somewhere in a pub in the Irish or Scottish country side, reproduced a very intimate atmosphere and had touched me with Jackies wonderfully dangerous stories. But “Control” which I listened to on that day when I realized the ability to age, was an affront, an attack of time on my consciousness, because this album was a soft caress and it was Jackies first album and he had made it when he was only 21. I often had imagined and wished to be a musician too, of course without putting to much effort in this dream. On that day with my 25 years it became clear to me that this train had left the station without me. I would never be a singer like Jackie Leven – I was just too old for that.

Now now, Bert Jerred has opened my eyes a bit more. Not only because his song “Genesis” reminds me a lot of some of the songs from Jackie Leven’s album “Control”, but also because he remembered me that one can also make and start to make wonderful music as a grown up person.

Like all persons I introduce here in the freemusicpodcast, I also asked Bert if he can write me some information about himself and his music.

“Why do you publish your music under free licenses at all?”

Bert: When I began publishing music on the Internet, I was looking (like so many people) for free exposure. At the time, opsound generated some attention for me because people were embedding the “latest opsounds” on their web pages and because, apparently, many opsound subscribers were also last.fm “scrobblers”. For the first time, perfect strangers were weighing in on songs I had recorded here in my house. It was strange. And I loved it. A little interaction on those sites served as my introduction to creative commons licensing.

Then someone from Jamendo emailed me and invited me to submit music to their site; so, I did a little reading (about cc in general and jamendo in particular) and started the grand experiment: upload anything and everything that wasn’t horribly embarrassing. Starting around June ‘02, I have written well over 500 songs and have made recordings of many of these – for better or worse. For the first few years, I did everything with a 4-track tape deck and a Radio Shack microphone – with occasional forays into all-digital stuff. Even now, I have only graduated to a (now out-of-production) Fostex MR-8. Oh yes! All the recent stuff (including “Genesis”) once lived on a 128MB Compact Flash card. I still record everything in my attic. But I digress…

“How much have you earned with your free licensed music so far?”

One of the reasons I continue to publish music this way is because the ‘perfect strangers’ involved in this kind of community make it totally worthwhile. And I’m not just referring to donations or revenue share. In fact, I still consider my modest earnings to be a nice – almost comical – side-effect. Rather, the people I have met are friendly and encouraging. I write and record songs for my own pleasure, and I love the idea that someone else can get enjoyment out of my creations. It is a fantastic compliment to see that others find my songs worth downloading and sharing.

“What are your musical plans and will you continue to publish under free licenses?”

Bert: As for the different types of licenses available, I feel like I have much to learn. But as I learn more, and as my songs gain exposure, I become even more amazed at the reach of sites like opsound, jamendo and others, and at the capacity for goodwill among all involved. Certainly, I am not opposed to other forms of publication; nor am I opposed to supplementing my income should the opportunity present itself. But I respect the cc system and the cc community, and that is why I intend to continue to work within its scope. For example, check out my shiny new jamendo blog at http://bertjerred.jamendo.net/.

“What do you do when you are not a musician. How do you make a living?”

Bert: I am a husband and father. I teach English at a local college, here in Oswego. And I am regretting that I don’t remember enough of my three semesters of Deutsch (long ago) to say something clever in your native tongue. Maybe I’ll dig out that old dictionary soon. :)

Sincerely,

Bert Jerred

Thanks a lot, Bert!

Bert Jerred – Genesis

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