Berlioz' Lesart der Vergil'schen „Aeneis“ verknappt die Geschichte um die mythische Gründung Roms durch Aeneas auf den tragischen Konflikt zweier Vertriebener. In Troja warnt Kassandra ihr Volk vergeblich, während man das Pferd jubelnd in die Stadt zieht. Aeneas und seine Leute entkommen, geleitet durch den Ruf der Götter: „Italien!“. In der Idylle Karthagos lebt Dido, vertrieben mit ihrem Volk aus Tyros, und verliebt sich in Aeneas, der ihr militärisch beigestanden hat. Doch Aeneas bleibt nicht, denn er hat einen Auftrag. Der letzte Akt ist Abgesang, Verzweiflung und Tod Didos. Victor Hugo befindet, „dass es Hässliches gibt neben dem Schönen, Missgestaltetes dicht beim Anmutigen, Groteskes hinter dem Erhabenen, Schlechtes zugleich mit dem Guten, Schatten mit dem Licht.“ Berlioz setzt seine Figuren auch musikalisch diesen gegenlaufigen Kräften aus - aus Vertreibung wird Verheißung wird Verrat.
Inszenierung: Michael Thalheimer
Bühnenbild: Olaf Altmann
Kostüme: Michaela Barth
Licht: Norman Plathe
Dramaturgie: Johannes Blum