In der katholischen Deutsche Pfadfinder*innenschaft Sankt Georg und dem evangelischen Verband Christlicher Pfadfinder*innen sind gemeinsam etwa 100.000 junge Leute engagiert. Der Plan: Kinder und Teenager gehen gemeinsam Zelten, erleben Abenteuer und machen sich fromme Gedanken über Jesus. Die Realität: Etwa 40% von ihnen werden Opfer von sexuellem Missbrauch, meist sind die Täter erwachsene Gruppenleiter oder Kirchenfunktionäre. Das zumindest haben die beiden wissenschaftlichen Studien ergeben, die den Massenmissbrauch innerhalb der Organisationen näher beleuchten. Der Umgang der Kirchen mit dem Skandal ist nicht gerade vorbildlich: Während die evangelische Kirche versucht, sich ganz still wegzuducken und die Ergebnisse schlicht nicht beachtet, versuchen die katholischen Pfadfinder und ihre Kirche, den – immerhin von ihnen selbst angeheuerten – Forschenden so viele Steine wie möglich in den Weg zu legen.
Oliver führt uns durch die beiden Missbrauchsstudien – sowohl durch die kaum beachtete evanglische Studie, als auch die zu den katholischen Sankt-Georg-Pfadfindern. Es wird klar, warum die katholische Kirche die Wissenschaftler:innen ausgebremst hat: Anstatt sich auf das Studium uralter Personalakten zu beschränken, wie beim Massenmissbrauch durch die Kirche üblich, starten die Forschenden engagiert breit angelegte Umfragen unter aktiven und ehemaligen Pfadfinder:innen. Kurz: Sie machen Anstalten für eine Dunkelfeldstudie, die auch Opfer abseits der Aktenlage erfasst. Und vor so einer Dunkelfeldstudie, das wissen wir, hat die katholische Kirche mehr Angst als vor dem Teufel, Atheisten und Freimaurern.
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