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Wäre es nicht ein verdammt gutes Gefühl, Erfolg zu haben in Situationen, in denen die Nerven anderer versagen? Was können wir von Heiligen, Anwälten und Serienmördern lernen.
Im Magazin DER SPIEGEL gab es eine kurze, lesenswerte Rezension eines neuen Buches des Psychologen Kevin Dutton vom Magdalen College, Oxford University, mit dem Titel „Psychopathen. Was man von Heiligen, Anwälten und Serienmördern lernen kann“. Duttons Buch hat mit einer eher vernachlässigten Gruppe von Psychopathen zu tun. Mit milden, beruflich erfolgreichen oder funktionellen Psychopathen. Der Titel unseres Podcasts ist also kein Verschreiber. Es geht wirklich um ´milde Psychopathen´ und nicht um ´wilde Psychopathen´. Zu Letzteren gehört unter anderem der fiktive Hauptdarsteller Hannibal Lecter aus Thomas Harris´ Roman „Schweigen der Lämmer“. Zu den milden Psychopathen gehören meist Persönlichkeiten, die sich in einem sehr wechselhaften und herausfordernden Umfeld erfolgreich behauptet, in dem gewöhnlichen Zeitgenossen zumeist die Nerven versagen. Manager, die einige Milliarden versenken, unverdrossen nach Hause gehen und nicht mehr daran denken. Ein normaler Mensch würde sich danach eher auf einer Toilette einschließen und sich übergeben. Überraschend ist, dass im Ranking ´milder Psychopathen des Psychologen Scott Lilienfelds - von der Emory University, Atlanta - John F. Kennedy und Bill Clinton vordere Plätze einnehmen. Wenn wir nicht schon Psychopathen sind, könnten wir es schnell werden. Ein kleines Experiment: Dutton hat das gemacht, was in der Medizin und Psychologie eine lange Tradition hat – Selbstversuche. Ob Werner Forßmann, der sich in 1929 den ersten Katheder in die rechte Herzkammer schob oder Sigmund Freud, der sich unter dem Einfluss von Kokain analysierte. Dutton ließ seinen Kopf fixieren und einem elektromagnetischen Feld aussetzen. Er verspürte nach kurzer Zeit „die ersten Anzeichen einer subjektiven moralischen Arroganz“. Während der Betrachtung eines Videos mit grausamen Inhalten schlug sein Herz ruhig. Dutton dazu: „Um ehrlich zu sein, [fiel] es mir schwer, ein Lächeln zu unterdrücken.“.
Psychopathen können Menschen misshandeln wie „normale“ Menschen eine Weihnachtsgans tranchieren, sagt der emeritierte kanadische Psychologieprofessor Robert Hare. Hare hat um 1980 einen Test entwickelt, mit dem sich kriminelle Psychopathen, die aufgrund ihrer Taten inhaftiert wurden, identifizieren lassen. Forscher vermuten, dass diese einen kleinen Teil aller Psychopathen ausmachen. Anders als ihre schwerkriminellen Pendants zerstückeln ´milde Psychopathen´ niemanden, sondern machen besonders erfolgreich Karriere. Wobei nicht alle, die erfolgreich Karriere machen, Psychopathen sind. Zum Glück. Mit ihnen gemeinsam haben sie allerdings eine weitgehende oder vielleicht völlige Furchtlosigkeit und Gefühlskälte. Diese ´erfolgreichen Psychopathen´ treten äußerst selbstbewusst auf, mit meist geringem Selbstzweifel. Diese Einstellung verspricht eigentlich ein eher sonniges Leben mit großem Wohlbefinden. Umgeben von Bewunderern und Neidern. Bewunderer, die ihrem Charme erliegen. Hare sprich von einem Charme ähnlich dem George Clooneys. Gewöhnlich wird Psychopathen ein Mangel an Empathie attestiert. Wie können sie dann andere manipulieren? Dutton vermutet, dass sie im Gesicht ihrer Gesprächspartner winzige, nicht bewusst zu steuernde Bewegungen der Gesichtsmuskeln – Mikroausdrücke – wahrnehmen, welche die wahre Verfassung der Gesprächspartner offenbaren und die es dem Psychopathen erlauben, sie zu seinem eigenen Vorteil zu instrumentalisieren. [Offenkundig besitzen die „milden/ erfolgreichen“ Psychopathen] Fähigkeiten, die sie sowohl von ihren kriminellen Artgenossen als auch vom Rest der Bevölkerung unterscheiden. Mehr Informationen unter https://comon.de/milde-psychopathen/