Vera Rosenbusch liest „Der Hase und der Igel – Ein Märchen der Brüder Grimm“.
Die Geschichte kenne ich seit frühester Kindheit. Ein Stoff, den jede und jeder kennt. Doch bei genauerem Hinhören ist manches ungewöhnlich:
Das Märchen beginnt mit einem Satz über Wahrheit und Erzählen - und über die Wahrheit des Erzählens.
Auch der Hase unterscheidet sich erheblich von seinen in Goldfolie eingewickelten Namensvettern, die gerade massenhaft in den Supermärkten herumstehen.
Schließlich ist da noch das überraschende Ende:
„Die Lehre aber aus dieser Geschichte ist erstens, daß keiner, und wenn er sich auch noch so vornehm dünkt, sich über einen geringen Mann lustig machen soll, und wenn es auch nur ein Igel wäre. Und zweitens, daß es geraten ist, wenn einer freit, daß er sich eine Frau aus seinem Stande nimmt, die geradeso aussieht wie er selber. Wer also ein Igel ist, der muß zusehen, daß seine Frau auch ein Igel ist, und so weiter.“
Die Erzähler spielen mit dem Wunsch des Publikums, „Lehren“ aus Geschichten zu ziehen. Jeder Mann weiß,dass er auf der ganzen Erde keine Frau finden, die „geradeso aussieht wie er selber“. Ein subtiler Witz.
Im Original der Brüder Grimm ist der Text übrigens niederdeutsch. Ich habe die Übersetzung sprachlich behutsam modernisiert.
Hören Sie selbst!