Mein Gast heute ist Professor Winfried Nerdinger.
Er ist einer der renommiertesten Architektur- und Kunsthistoriker der Gegenwart mit langer Publikationsliste. Er hat an der TU in München gelehrt, war Gründungsdirektor des NS-Dokumentationszentrums dort und ist heute Präsident der Bayrischen Akademie der Künste.
Wir sprechen über den schweizerisch- französischen Architekten, Künstler und Autor Le Corbusier (1887 - 1965).
Winfried Nerdinger widmete ihm bereits 1986 seine Antrittsvorlesung und setzt sich seitdem kontinuierlich mit seinem Werk auseinander. Im März dieses Jahres erschien seine komprimierte Biografie über den Architekten in der Reihe C.H. Beck Wissen.
Für Winfried Nerdinger zählt Le Corbusier ezu den bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Bauten wie die Kirche Notre-Dame-du-Haute in Ronchamp oder das Kloster Sainte-Marie de la Tourette sind von einmaliger künstlerischer Qualität. Wegweisend ist auch seine Unité d’Habitation in Marseille, auf deren Dach er eine Art „Dorfplatz“ für die Bewohner schuf mit Wasserbecken, Kindergarten, Klettersteinen und mehr. „File du soleil“ nannte er das ost-west-ausgerichtete Gebäude wegen der ausgewogenen Belichtung der Wohnungen.
Zugleich entwickelte Le Corbusier radikale städtebauliche Konzepte, die top down für Eliten geplant waren. Autogerechtigkeit und Funktionstrennung, die unsere Städte heute belasten, formulierte er in der Charta von Athen 1942. Seine Konzepte bot er bereitwillig autoritären Machthaber an, gerne hätte er etwa für das Vichy-Regime gearbeitet.
Wir sprechen über die inspirierenden wie auch die schwierigen Seiten Le Corbusiers, über seine Zusammenarbeit mit Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand sowie über die zentrale Bedeutung von Ordnung in seinem Werk.
Winfried Nerdinger. Le Corbusier. Architekt, Künstler, Visionär. C.H.Beck Wissen (2026)
Das architektonische Werk von Le Corbusier in der Welterbeliste der UNESCO:
https://lecorbusier-worldheritage.org/de/
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