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Anna: Hallo, liebe Hörerinnen und Hörer.
Ardhi: Herzlich willkommen bei „Grüße aus Deutschland“.
Anna: Sie hören die Folge:
Ardhi: „Struwwelpeter und Schneewittchen“.
Anna: Heute geht es bei uns um Kinderbücher und Erziehung .
Ardhi: „Die Erziehung“ – das ist … ähm … Das ist … Ja, man sagt einem Kind, was es tun darf und was nicht.
Anna: Man erzieht es.
Ardhi: Jemanden erziehen, erzog, hat erzogen. Und: Die Erziehung. Ardhi: Ich habe ein altes Kinderbuch mitgebracht: „Der Struwwelpeter “ Anna: Ah, „Der Struwwelpeter“!
Ardhi: In dem Buch sind lauter schreckliche Geschichten. Zum Beispiel die von Kon rad.
Anna: Was war mit ihm?
Ardhi: Er hat oft am Daumen gelutscht.
Anna: Der Daumen, das ist einer der Finger, der dickste.
Ardhi: Konrad hat oft am Daumen gelutscht, also er hat den Daumen in den Mund gesteckt.
Anna: Na und?
Ardhi: Hast du etwa am Daumen gelutscht, Anna?
Anna: Nein, ich doch nicht!
Ardhi: Dein Glück. Hör mal zu.

Konrad, sprach die Frau Mama, ich geh aus und du bleibst da.
Sei hübsch ordentlich und fromm,3 bis nach Haus ich wieder komm. Und vor allem, Konrad, hör, lutsche nicht am Daumen mehr.

Ardhi: Die Mutter geht weg und Konrad steckt schnell den Daumen in den Mund.

Fort geht nun die Mutter und - wupp den Daumen in den Mund.

Anna: Und wie geht es weiter?
Ardhi: Auf einmal kommt ein Schneider herein.
Anna: Na so was! Ein Schneider? Wo kommt der denn her?
Ardhi: Ein Schneider ist jemand, der Kleidung macht.
Anna: Zuerst schneidet er mit einer Schere den Stoff zurecht und dann näht er die
Stücke zusammen.
Ardhi: Der Schneider schneidet mit einer Schere dem Jungen die Daumen ab.



Als die Mutter kommt nach Haus, sieht der Konrad traurig aus. Ohne Daumen steht
er dort, die sind alle beide fort.

Anna: Und das ist ein Buch für Kinder? Das hat ihnen doch Angst gemacht!
Ardhi: Ja, das sollte ihnen ja auch Angst machen.
Anna: Man wollte, dass es ihnen Angst macht?
Ardhi: Ja. Das ist ein Buch aus der „schwarzen Pädagogik“.
Anna: „Schwarze Pädagogik“ - was ist das?
Ardhi: Ach, jetzt reg dich doch nicht auf. Das sind Texte aus dem 18. und 19. Jahr hundert.
Anna: Und was für Texte sind das?
Ardhi: Da geht es immer darum, wie man Kinder erzieht. Die Kinder sollten damit er zogen werden.
Anna: Aha, die Kinder sollten damit erzogen werden!
Ardhi: Sei still!
Anna: Wie? Ich soll still sein? Wie redest du mit mir?
Ardhi: Setz dich!
Anna: Aber ich sitze doch schon ...
Ardhi: Komm her!
Anna: Hör auf!
Ardhi: Na okay, gut. Aber siehst du, so war das. Das Kind sollte immer genau das tun, was die Eltern wollten.
Anna: Und sicher glaubten alle, dass das gut für die Kinder ist.
Ardhi: Klar.
Anna: Und wie ist es heute? Macht ein Buch wie „Der Struwwelpeter“ den Kindern auch heute noch Angst?

Marion: Kennt ihr den Struwwelpeter? Das ist ein altes … `n altes Kinderbuch.
Und da sollten Kinder erzogen werden, mit diesem Buch. Da hat man
ihnen auch Angst gemacht, mit diesen Geschichten. Habt ihr das mal
gelesen?
Christina: Also, ich hab’s gelesen.
Marion: Und wie fandest du’s?
Christina: Ich fand’s immer ganz lustig. Also Angst hat’s mir nicht gemacht.
Francesca: Ich hab’s auch schon gelesen.
Marion: Und hat’s dir auch keine Angst gemacht?
Francesca: Mm. Manchmal hab ich aber Angst vor dieser Hexe von Schneewitt chen . Immer noch jetzt.

Ardhi: Macht der Struwwelpeter den Kindern auch heute noch Angst?

Aufgabe

Anna: Nein, der Struwwelpeter macht den Kindern heute keine Angst mehr.
Ardhi: Aber einem der Mädchen macht etwas anderes Angst:
Anna: Die „Hexe“ aus dem Märchen6 „Schneewittchen“. Mit „Hexe“ meint das kleine Mädchen eine böse Königin. Eine Königin ist zum Beispiel Queen Elizabeth von England … äh … (schnell) aber das ist natürlich keine böse Königin … Ardhi: In Märchen, also in Fantasiegeschichten, gibt es aber oft eine böse Königin. Die Königin in diesem Märchen hat eine Stieftochter. Das ist die Tochter ihres Mannes. Sie heißt Schneewittchen.
Ardhi: Schneewittchen ist schöner als die Königin. Deshalb versucht die Königin, Schneewittchen zu töten. (brummelt) Das ist natürlich ein Grund.
Anna: Tja, aber Schneewittchen bleibt am Leben und kommt zu den sieben Zwergen.
Ardhi: „Der Zwerg“ – das ist eine Figur aus dem Märchen.
Anna: Zwerge sehen aus wie erwachsene Menschen, aber sie sind sehr klein. Und
sie haben Zipfelmützen auf dem Kopf und … Ardhi: Du kennst dich ja gut aus mit Zwergen.
Anna: Ja, sicher. Im Garten meiner Eltern steht einer, ein Gartenzwerg. Aus Plastik.
Den kenne ich sogar persönlich.
Ardhi: Ich verstehe.
Anna: Jedenfalls: Schneewittchen lebt bei den sieben Zwergen. Da kommt eines Ta ges die Königin.
Ardhi: Sie hat sich verkleidet, also andere Kleider angezogen, so dass Schneewitt chen sie nicht erkennt.
Anna: Sie gibt Schneewittchen einen vergifteten Apfel.
Ardhi: „Vergiftet“ – das bedeutet, es ist Gift darin. Wenn man Gift nimmt, stirbt man.
Anna: Und so geht die Geschichte weiter.
Ardhi: Ein wichtiges Wort ist jetzt: „die Hälfte“. Das ist ein halbes Stück, ein Teil.

„Was willst du?“ fragte Schneewittchen. Die Königin sagte: „Ich habe schöne Äpfel.
Komm, ich schenk dir einen.“ „Vielen Dank“, antwortete das Mädchen, „aber ich darf
nichts annehmen“. Darauf sagte die Königin: „Hast du Angst, dass er vergiftet ist?
Schau, ich schneide ihn in zwei Hälften. Nimm du die eine Hälfte, die rote, und ich
esse die andere Hälfte, die weiße.“ Aber nur die rote Hälfte des Apfels war vergiftet. Schneewittchen nahm den Apfel, biss7 hinein und fiel sofort tot um.

Anna: Die Königin hat auch von dem vergifteten Apfel gegessen. Warum ist sie nicht gestorben?

Aufgabe

Ardhi: Nur die eine Hälfte des Apfels war vergiftet, die rote. Die Königin nahm die andere Hälfte, die nicht vergiftet war.
Anna: Möchten Sie kurz mal die böse Königin sein? Und ähm … Ardhi spielt Schneewittchen.
Ardhi: Oh, ohoho!

6 das Märchen, -: eine Fantasiegeschichte, eine erfundene Geschichte; Kindern erzählt man Märchen
7 beißen, beißt, biss, hat gebissen: in einen Apfel (hinein-)beißen – ein Stück vom Apfel essen
Wiederholung mit Nachsprechpausen

Anna: Sie sagen zu Schneewittchen:
Komm, ich schenke dir einen schönen Apfel.
Komm, ich schenke dir einen schönen Apfel.

Ardhi: Nein danke, ich darf nichts annehmen.

Anna: Sie sagen:
Hast du Angst, dass er vergiftet ist? Hast du Angst, dass er vergiftet ist?

Ardhi: Ja.

Anna: Sie sagen:
Nimm du die eine Hälfte und ich esse die andere.
Nimm du die eine Hälfte und ich esse die andere.

Ardhi: Okay.
Anna: Natürlich ist Schneewittchen gar nicht tot und am Schluss bekommt sie auch noch einen Prinzen .
Ardhi: Das ist der Sohn eines Königs. Klar, was sonst?
Ardhi + Anna: Und so lebten sie glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende. Ardhi: Tschüs. Anna: Tschüs.

Anna: Hier, Ardhi, magst du die Hälfte von meinem Apfel? Was ist? Was schaust du so?
Ardhi: Nein danke, Eva. Ich möchte gerne im Paradies bleiben. Anna: Ach, Adam, das ist ja langweilig ...