Im französischen Fernsehen kämpft er mit den Tränen,
nennt endlich, was längst im Wind der Fronten weht:
Zehntausende gefallen, so viele verschwunden,
und fremde Schätzungen malen dunklere Wege.
Ausgetauschte Körper an grauen Grenzlinien,
der Gegner zahlt mit Bergen aus Blei.
Die Nacht ist voll Namen, die keiner mehr ruft,
und doch ruft er: Haltet noch durch, bleibt frei.
Wir zählen keine Zahlen, wir tragen die Narben,
auf Straßen aus Eis, in Nächten aus Blei.
Die Schlagzeilen brennen und frieren zugleich,
doch wir halten die Wärme dabei.
Zwischen Sturm und Verheißung, zwischen Schweigen und Schrei,
sing ich: Bleib wach, bleib frei.
In Budapest fällt das Urteil wie Beton,
gegen Maja, die keinem Kästchen gehört.
Versuchte Wunden, Verein im Schatten,
sagt das Gericht, und niemand ist ungestört.
Die einen fordern Härte, rufen Terror,
die anderen rufen: Holt sie nach Haus.
Noch ist nichts endgültig, Berufungen rollen,
die Straße teilt sich in Kälte und Applaus.
Wir zählen keine Zahlen, wir tragen die Narben,
auf Straßen aus Eis, in Nächten aus Blei.
Die Schlagzeilen brennen und frieren zugleich,
doch wir halten die Wärme dabei.
Zwischen Sturm und Verheißung, zwischen Schweigen und Schrei,
sing ich: Bleib wach, bleib frei.
Ein Amt verkündet nüchtern, was Küchen längst wissen:
Der Kühlschrank summt lauter als das Glück.
Mehr Menschen rutschen unter schmale Schwellen,
allein und alleinerziehend bleibt oft zurück.
Weniger als ein halbes Leben zum Leben,
wenn Arbeit fehlt, wird die Stadt zum Moor.
Von Armut und Ausgrenzung ist das Wort
nicht Statistik, sondern Chor.
Wir zählen keine Zahlen, wir tragen die Narben,
auf Straßen aus Eis, in Nächten aus Blei.
Die Schlagzeilen brennen und frieren zugleich,
doch wir halten die Wärme dabei.
Zwischen Sturm und Verheißung, zwischen Schweigen und Schrei,
sing ich: Bleib wach, bleib frei.
Im Norden reißt man Masken von Firmen,
Briefkästen mit russischem Ziel.
Tausende Sendungen, Schein und Verschleierung,
Sanktionen wie dünnes Papier.
Ermittler und Dienste fädeln die Knoten,
Verhaftungen fallen bei Nacht.
Hinter den Listen stehen Behörden im Schatten,
und alles in Untersuchungshaft.
Wir zählen keine Zahlen, wir tragen die Narben,
auf Straßen aus Eis, in Nächten aus Blei.
Die Schlagzeilen brennen und frieren zugleich,
doch wir halten die Wärme dabei.
Zwischen Sturm und Verheißung, zwischen Schweigen und Schrei,
sing ich: Bleib wach, bleib frei.
Gefrierender Regen malt Fallen auf Straßen,
der Osten wird spiegelglatt und still.
Der Dienst für das Wetter schreit Rot in die Himmel,
am Flughafen rollt keiner, der will.
Die Züge verheddern sich, Schienen sind müde,
ein Krankenhaus zählt Brüche im Takt.
Das Salz geht zur Neige, selbst Streuen wird selten,
die Stadt lernt langsam, wie lange Glätte knackt.
Wir zählen keine Zahlen, wir tragen die Narben,
auf Straßen aus Eis, in Nächten aus Blei.
Die Schlagzeilen brennen und frieren zugleich,
doch wir halten die Wärme dabei.
Zwischen Sturm und Verheißung, zwischen Schweigen und Schrei,
sing ich: Bleib wach, bleib frei.
Der Kanzler zieht Spuren am Golf durch Wüstenhotels,
wo Verträge wie Oasen glühn.
Energie gegen Nähe, Ketten verlagern,
vielleicht auch Waffen, die schweigend blühn.
Er sagt, er spreche von Rechten des Menschen,
doch Handel trägt schwer an Gewicht.
Der Blick nach Iran bleibt scharf wie die Sonne,
und während im Osten die Startbahnen vereisen,
fragt die Welt: Wer lenkt hier das Licht?
Wir zählen keine Zahlen, wir tragen die Narben,
auf Straßen aus Eis, in Nächten aus Blei.
Die Schlagzeilen brennen und frieren zugleich,
doch wir halten die Wärme dabei.
Wenn der Morgen die Richtung neu schreibt: Bleib wach, bleib frei.