Auch wenn wir uns nun schon in schnellen Schritten der Passionszeit nähern, klingt in mir Weihnachten und die Adventszeit nach.
Mich beschäftigt immer noch eine Zeile des Adventslieds Die Nacht ist vorgedrungen.
Dort heißt es „Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt.“
In diesem kurzen Satz steckt für mich ganz viel vom Wesen Gottes drin:
Gott will im Dunkel wohnen bedeutet für mich, Gott will genau da sein, wo es dunkel ist, wo sich Dunkelheit in unserem Herzen breit macht, wo ich mich allein und hilflos fühle. Dunkelheit bedeutet, dass ich nichts sehen kann, dass mir die Orientierung fehlt. Ich kann das farbenfrohe nicht erkennen und wo es dunkel ist, fehlt das wärmende Licht der Sonne. Oft bleibt einem in der Dunkelheit nichts, als abzuwarten und auszuhalten. Dunkelheit bedrückt und greift nach einem. Dunkelheit gehört zum Leben, jeder ist ihr auf die eine oder andere Weise ausgesetzt.
Genau das ist der Ort, an dem Gott wohnen will. Er nimmt sich des Schwachen, des Hilfsbedürftigen, des Bedrohten, den Traurigen an. Es heißt eben nicht: Gott will im Palast wohnen oder Gott will bei den Siegreichen wohnen oder Gott will bei den Stärksten wohnen.
Und die zweite Satzhälfte lautet: „und hat es doch erhellt.“
Dort, wo Gott ist, kann es nicht dunkel bleiben. Gott hat gar keine andere Möglichkeit, als zu erhellen. Das ist sein Wesen. Und obwohl er sich ganz gezielt in unsere Dunkelheit begibt und dort wohnen will, d.h. sich dort dauerhaft aufhalten, sich dort breit machen, sich dort einrichten will, kann dann die Dunkelheit nicht dunkel bleiben.
Und wie in den Berichten vom Leben Jesu, beginnt dort wo Gott Wohnung nimmt Hoffnung zu wachsen, Freude erwärmt das Herz, lang gehegte Wünsche werden erfüllt, es zeigen sich neue Wege, Wunder sind möglich. Manchmal kleine Wunder mit sanften Berührungen, manchmal spektakuläre Lösungen langer Dunkelheitsphasen.
Dieser Satz „Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt“ scheint sich für mich durch die die ganze Bibel zu ziehen.
Und auch wenn Gott zürnt und sich zurückzieht, dauerhaft geht das nicht. Es ist ein zu wesentlicher Anteil an ihm, der sich ganz gezielt in die Dunkelheit begeben will und wenn Gott ins Dunkel kommt – so kann die Dunkelheit nicht dunkel bleiben – denn in seiner Gegenwart wird es hell.
Eine gesegnete Woche wünscht Christine Sommer