Listen

Description

Unser jüngster, neunmonatiger Enkel bevorzugt drei Zeichen. Damit kommuniziert er hervorragend: Mit dem ausgetreckten Zeigefinger. Mit dem ausgestreckten rechten Arm und der offenen Handfläche, die er nach oben gedreht hat. Und immer wieder mit dem Klatschen in seine beiden Hände und einem strahlenden Gesicht.

Den Zeigefinger nach vorne gestreckt. Das heißt: Da will ich hin. Wenn seine Mama da ist, bevorzugt zu ihr. Zu meiner Mama will ich. Der nach vorne gestreckte Zeigefinger heißt aber auch: Das will ich haben oder essen. Oder: Da sollst du mit mir hingehen. Zu einem Blatt, das vom Wind bewegt wird. Oder zu einem Baustein am Boden. Mich fasziniert das. Der kleine Junge äußert mit einem ausgestreckten Zeigefinger und einem entschlossenen Gesicht, was er will und wofür er uns braucht.

Mich erinnert dieser ausgestreckte Finger an den ausgestreckten, überlangen Finger vom Täufer Johannes. Der weist auf dem beeindruckenden Kreuzigungsbild von Matthias Grünewald auf den gekreuzigte Jesus. Die Botschaft des Johannes auf dieser Tafel des Isenheimer Altars spricht zu mir: Da musst du hin. In diesem gekreuzigten und auferstandenen Jesus findest du Gott und dein Heil.

Wenn unser kleiner Enkel seinen rechten Arm ausstreckt und seine offene Hand nach oben wendet, sehe ich eine große Bereitschaft etwas zu empfangen oder sogar eine Haltung des Staunens.

Das wünsche ich mir, dass ich immer wieder mit leeren, offenen Händen empfangsbereit bin für das Schöne, das nicht selbst Gemachte, für das Wunder des Lebens. Offene Hände nach oben gedreht ist für mich auch eine Weise des Betens. Mir fällt ein schlichtes Gebet aus meiner Kindheit ein: „Komm, Herr Jesus, sei du unser Gast und segne, was du uns bescheret hast.“

Klatschen in die Hände ist reine Begeisterung. Das Gesicht unseres jüngsten Enkels strahlt dann. Freude pur. Das hat etwas Ansteckendes. Da kann ich gar nicht anders als Mitklatschen und mich am Leben freuen. Zugegeben, manchmal klatsche ich ganz bewusst bei dem kleinen Jungen. Dann stecke ich ihn an und er klatscht auch. Klatschen ist applaudieren. Ein Zeichen der Anerkennung. Nach einer Rede oder der Aufführung eines Musikstücks. Da erkenne ich die Leistung anderer an. Warum nicht auch Gott applaudieren für das Wunder des Lebens eines kleinen Kindes.

Von einem neunmonatigen Kind lernen. Der ausgesteckte Zeigefinger. Die nach oben geöffnete Hand. Begeistert klatschen. Erwachsenen zur Nachahmung empfohlen.

Schalom und liebe Grüße Hans-Martin Steffe, Linkenheim-Hochstetten