Wie merkt man eigentlich, dass man abhängig von Alkohol ist? Was ist riskanter Alkoholkonsum und wie läuft eine Therapie ab?
Darum geht es in der neuen Folge von „LandMEDchen“, in der Dr. Andrea Morawe mit Anna List spricht.
Alkoholkonsum und Alkoholabhängigkeit sind Themen, die einen großen Anteil der Gesellschaft beschäftigen, trotzdem tabuisiert und mit viel Scham behaftet sind.
Studien belegen, dass es dabei auch ein Gefälle zwischen Stadt und Land gibt. Im ländlichen Raum sind Alkoholabhängigkeiten häufiger.
Im Schnitt trinken die Deutschen 10,6 Liter Reinalkohol pro Kopf pro Jahr. Eine Menge von 20g Reinalkohol pro Tag gilt dabei schon als riskant – und das sind etwa zwei Bier. Mehr als 10 Millionen Menschen konsumieren Alkohol in gesundheitsriskanten Mengen.
Andrea fragt bei Check ups von Patient:innen immer nach, wie viel Alkohol getrunken wird.
Sie gibt den Tipp: Sobald alkoholische Getränke Spitznamen bekommen, wird es oft riskanter!
In Sachsen-Anhalt finden jedes Jahr hunderte Entgiftungen statt. Das riskante Trinkverhalten fällt in dünn besiedelten Gebieten weniger auf, weil auch das Sozialleben oft weniger ist. Wenn man sich dann zum Vereinsfest, Schützenfest oder zum Karneval trifft, dann ist das Trinken normalisiert.
Im Check up kann Andrea Warnzeichen schnell erkennen. Psychische Beschwerden kommen bei Abhängigen oft dazu.
Mit Selbstfragebögen kann man eine gute Selbsteinschätzung bekommen.
Nach einer Diagnose ist der erste Schritt in der Therapie dann die Entgiftung. Viele fühlen sich damit unwohl, denn sie müssen dafür bis zu 12 Wochen in eine Klinik. Den Arbeitgeber muss man über die Gründe dafür nicht informieren, er hat keinen Einblick in die Diagnose.
Die Entgiftung ist ein medizinisch überwachter Ort, wenn nötig, gibt es dabei auch medikamentöse Unterstützung. Diese Entgiftung läuft über 7 bis 14 Tage.
Danach kommt die Stabilisierungsphase, bei der sich auf die Psyche fokussiert wird, danach folgt die Langzeitentwöhnung.
Die Rentenversicherung ist daran interessiert, die Beschäftigen möglichst lange in Arbeit zu halten, deswegen übernimmt sie auch die Kosten der Reha, alternativ macht das die gesetzliche Krankenversicherung.
Die Hausarztpraxis unterstützt sowohl bei der Antragstellung als auch bei der Begleitung nach der Reha-Maßnahme.
Die Patient:innen erleben oft auch Probleme im sozialen Umfeld, Jobverlust, Trennungen... deswegen appelliert Andrea daran, dass man die Menschen im Umfeld anspricht auf potentielle Probleme.
Volkswirtschaftlich ist Alkoholkonsum eine Katastrophe: Lange AU-Zeiten, Frühberentungen, mehr Stürze, körperliche Einschränkungen – das sind Milliardenkosten, die als volkswirtschaftlicher Schaden entstehen.
Andrea wünscht sich deswegen auch von der Politik mehr Unterstützung bei diesem Thema!
Die Nummer der Telefonseelsorge: 0800 111 0 111
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